WERKSTATTAUSSTELLUNG
Hinterlassenschaften. Fundstücke nach dem Abzug der russischen Truppen 1994

Laufzeit der Ausstellung im Wintergarten:
27. August – 26. Oktober 2014

Im September 1994 verließ der letzte russische Soldat das wiedervereinigte Deutschland. Damit ging eine Besatzungszeit zu Ende, die mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst ihren Anfang genommen hatte. Fast ein halbes Jahrhundert lang waren bis zu 700.000 sowjetische Soldaten und ihre Angehörigen in der DDR stationiert. Sie lebten ein weitgehend abgeschirmtes, militärischen Aufgaben unterworfenes Leben. Als sie gingen, hinterließen sie den ehemaligen deutschen Nachbarn – mit den oftmals langjährigen militärischen Sperrgebieten – unbekanntes Terrain. Alte Kasernen, zugige Lagerhallen, verwaiste Flugplätze, geheime Bunker und leergezogene Wohnblöcke konnten und wollten plötzlich erkundet werden. Viele Dinge wurden dabei gefunden, die die vormaligen Bewohner weggeworfen, manches Mal vielleicht auch vergessen hatten. Und es blieben Erinnerungen zurück.


Von diesen „Hinterlassenschaften“ handelt die Ausstellung. Sie erzählen Geschichte und Geschichten, berichten vom Weggehen der ehemaligen sowjetischen Besatzungstruppen und geben Einblicke in ihr Leben in Deutschland. Weil die Ausstellung nicht alles erzählen kann, befragen wir begleitend Zeitzeug/-innen und Expert/-innen nach ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Bewertungen der Zeit des Truppenabzugs. Überlieferungslücken sollen geschlossen, Emotionen von damals erinnert und Urteile geprüft werden. Die Ausstellung und das Begleitprogramm verstehen sich dabei als eine Werkstatt, in der zusammen mit Gästen und Besuchern ein Bild von der Geschichte des sowjetisch-russischen Abzuges vor 20 Jahren entstehen soll.