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ALTE AUSSTELLUNG

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Das Museum der bedingungslosen Kapitulation

Das Kapitulationsmuseum war eine Einrichtung der sowjetischen Armee unmittelbar an der Frontlinie des Kalten Krieges. Es gehörte zu den kulturellen Institutionen dieser militärischen Großorganisation (die nicht nur aus Soldaten sondern auch aus den Familienangehörigen der Offiziere bestand) genauso wie Schulen, Kulturklubs, Theater oder die anderen Armeemuseen an verschiedenen Standorten. Aus diesen Armeemuseen ragte das Kapitulationsmuseum nach Umfang und Bedeutung des historischen Ortes zwar heraus, unterschied sich aber nicht grundlegend von ihnen.

Zentrum des Museums war der Saal, in dem in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die obersten Befehlshaber der Wehrmacht - nach dem Tode Hitlers letzte anerkannte Machthaber des Dritten Reiches - die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit des Dritten Reiches unterzeichnet hatten. Die Kapitulation war vom britischen Air-Marshal Tedder als Stellvertreter General Eisenhowers, vom sowjetischen Marschall Shukow sowie vom amerikanischen General Spaatz und vom französischen General de Lattre de Tassigny entgegen genommen worden war. Dieser Saal, der nach dem Mai 1945 für die verschiedensten Zwecke genutzt wurde, darunter auch für die Aushändigung der Regierungsvollmacht an die erste Regierung der DDR, war in seiner grundsätzlichen Gestaltung unverändert geblieben, so dass nur für das Mobiliar eine Rekonstruktion des alten Zustandes notwendig wurde. Nur die Fahnen der vier Alliierten, die am 8. Mai aufgehängt worden waren, konnten aus dem Museumsdepot wieder an ihren alten Platz zurück gebracht werden. Verändert wurde der alte Zustand des Raumes schließlich durch die Ehrentafeln für die sowjetischen Verbände, die am Sturm auf Berlin beteiligt gewesen waren.

Zentrales Thema der musealen Ausstellung waren die "Berliner Operation" der sowjetischen Armee und der Kampf um Berlin, bevor der Besucher den Kapitulationssaal und damit den Originalschauplatz der Geschichte betrat. Die Mittel der Darstellung bestanden zum einen aus den Originalexponaten des Krieges - Uniformen, Waffen, militärische Ausrüstung, Orden, Fahnen sowie originalem Schriftgut -, zum anderen aus den historischen Zeugnissen, die als Reproduktionen, Fotos und Schriftdokumente, die Präsentation der Originale in der historischen Argumentation unterstützten. Als drittes Element der Darstellung, mit dem die Akzente gesetzt wurden, diente die künstlerische Verarbeitung der Kriegsthematik: Zeichnungen, großformatige Gemälde, Skulpturen unterschiedlicher Dimensionen sowie zwei große Diorama-Inszenierungen mit Licht- und Toneffekten, die die Offensive an der Oder und den Sturm auf den Reichstag zum Thema hatten.

Der Rundgang durch die Ausstellung wurde durch einen Saal eingeleitet, der von einer drei Meter hohen Statue Wladimir Iljitsch Lenins beherrscht war. Die anderen Exponate des "Leninsaals" hatten die Oktoberrevolution und das Wirken Lenins zum Thema (1990 wurde diese Ausstellung umgewandelt und zahlreiches Material über Lenins Aufenthalt in Berlin gezeigt). Im folgenden, bewusst düster gestalteten Raum wurde faschistische Herrschaft charakterisiert: durch eine über drei Wände fortlaufende Fotocollage, durch Gegenstände, die faschistische Terrorherrschaft allgemein symbolisierten wie Stahlruten, Handschellen, Pistolen und Uniformteile der SS sowie durch eine Sammlung von Gegenständen, die Leben und Tod im KZ charakterisierten (Teile der Lagerumzäunung, Kleidung und Gebrauchsgegenstände von Häftlingen, eine Büchse für Zyklon B). Die Präsentation einiger Karteikarten von sowjetischen Zwangsarbeitern in Deutschland ("Ostarbeiter") in diesem Abschnitt macht deutlich, dass die Themen, die unmittelbar mit dem nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion verbunden sind, hier nur einen kleinen Teilaspekt bildeten, vielmehr ging es in dem Raum um eine allgemeine Charakteristik des deutschen Faschismus, wie sie in vielen Geschichtsmuseen der Sowjetunion in beinahe identischer Form und Inhalt zu finden war. Die besonderen Charakteristika nationalsozialistischer Kriegsplanung und Machtausübung in der Sowjetunion fanden sich auch nicht an anderer Stelle des Museums.

Die Hauptstationen des Krieges vom Juni 1941 bis Ende 1944 wurden in den folgenden zwei Räumen gedrängt in Erinnerung gerufen. Da dieses Museum nur eines von vielen sowjetischen Museen zum Thema des Großen Vaterländischen Krieges war, stellte es auch kein Problem dar, dass hier die letzte Phase des Krieges das zentrale Thema bildete und der gesamte Krieg bis Anfang 1945 dem Besucher nur kurz in Erinnerung gerufen wurde. Ein eigener Saal war sodann der Befreiung der Länder Osteuropas von der nationalsozialistischen Herrschaft gewidmet. Hier war zum einen jedes Land erwähnt, zum anderen wurde der eigene Anteil dieser Länder an der Befreiung mit einigen Exponaten hervor gehoben. Im ursprünglichen Ausstellungskonzept war ein eigener deutscher Anteil am Kampf gegen den Faschismus nicht genannt worden. Später wurde dann die Tätigkeit des Nationalkomitees Freies Deutschland in die Ausstellung eingefügt.

Die folgenden sechs Räume hatten die Vorbereitung und Durchführung der Berliner Operation, also der sowjetischen Offensive von der Oder zur Elbe und die Eroberung Berlins zwischen dem 16. April und dem 8. Mai zum Thema. Den krönenden Schlusspunkt dieses Ausstellungsabschnitts bildete das große Diorama "Sturm auf den Reichstag", dem Großfotos von der Siegesparade in Moskau am 24. Juni 1945 sowie deutsche Beutewaffen und -fahnen im Raum gegenüber gestellt waren. Ein Raum wurde ausschließlich von einem großen Schemaplan Berlins eingenommen, auf dem die verschiedenen Verteidigungsringe Berlins und die Stoßrichtungen der angreifenden Armeen durch farbige Lampen gekennzeichnet waren. Viel Platz wurde dem Anteil der verschiedenen Teilstreitkräfte, also neben dem Heer der Luftwaffe und der Marine, sowie den einzelnen Truppengattungen des Heeres an der letzten großen Kriegsoperation gewidmet.

Von hier ging der Besucher des Kapitulationsmuseums hinunter in das Erdgeschoss, vorbei an einer Vitrine mit den Fotos der hingerichteten Hauptkriegsverbrecher des Nürnberger Prozesses und kam in den großen Kapitulationssaal, die nachgezeichnete Geschichte der Ausstellung mündete in die reale Geschichte des Ortes. In zwei anschließenden Räumen wurde schließlich an die Nachkriegsgeschichte der DDR und an den politischen Auftrag der sowjetischen und DDR-Truppen erinnert.

Die Exponate waren räumlich dicht präsentiert, die Ausstellung appellierte an die Emotionen. Originale Überreste, Fotos und künstlerische Gestaltungen der Kriegsthematik wurden ohne Abgrenzungen nebeneinander eingesetzt. Die Abschließung aller Räume vom Außenlicht verdichtete die Atmosphäre noch zusätzlich.

Das in seiner Präsentation sorgfältig geplante Museum war 1967 mit einem eindeutigen politischen Auftrag eröffnet worden. Der Beschluss des Militärrats der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus dem Jahr 1966, dieses Museum zu gründen, setzte vor allem die politische Erziehung der sowjetischen, in der DDR stationierten Soldaten als Ziel. Die Heldentaten der Väter, vom einfachen Soldaten, der sein Leben für die Kameraden geopfert hatte, bis zum Marschall, der die militärischen Operationen leitete, sollten den Soldaten als Handlungsvorbild nahe gebracht werden. Ein Planungspapier nennt auch noch einen weiteren Grund der Heldendarstellung, nämlich die Abschreckung künftiger Gegner.

Wenn seit der Mitte der siebziger Jahre die DDR-Bürger die größte Besuchergruppe stellten, so lag das an einer Entwicklung, die ursprünglich nicht vorgesehen war. Eine Bitte des Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, den Termin der Eröffnung dieses Museums vom 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, dem 7. November 1967, auf den Gründungstag der DDR am 7. Oktober vorzuverlegen, war von der sowjetischen Seite brüsk abgelehnt worden. Daraufhin erfuhr die Bevölkerung der DDR erst drei Jahre später von der Existenz dieses Museums. Dann allerdings wurde es auch in die eigene Traditionsbildung einbezogen, die seit den siebziger Jahren die neue sozialistische Gesellschaft auf der Seite der Sieger - auch im 2. Weltkrieg - sah. Die historische deutsche Erblast war demnach nur Sache der Bundesrepublik, in der mit dem Kapitalismus die Grundlagen imperialistischer Herrschaft erhalten geblieben waren. Allerdings sind die Aufschriften in dem Museum bis zum Ende mit wenigen Ausnahmen nur in russisch geblieben.

Auch wenn dieses Museum vor allem für die Nutzung in der Frontstellung des Kalten Krieges konzipiert war, so enthielt es auch noch eine andere Botschaft. Es erinnerte in Berlin, wo stärker als anderswo in Deutschland noch Elemente der alliierten gemeinsamen Besatzungsherrschaft der Nachkriegszeit erhalten waren (Luftkontrollzentrale, Spandauer Kriegsverbrechergefängnis, freier Zugang der Besatzungssoldaten für die ganze Stadt), an die historische Gemeinsamkeit der ehemaligen Alliierten. Der Kapitulationssaal war auch für die Westmächte, die Amerikaner, Engländer und Franzosen, mit positiven historischen Erinnerungen verbunden. So erstaunt es nicht, dass alle in Berlin stationierten Soldaten der Westalliierten auf ihren einführenden Berlinrundfahrten auch dieses Museum besuchten. Die Bewohner West-Berlins haben dagegen bei ihren Besuchen in Ost-Berlin dieses Museum praktisch ignoriert, sie kamen erst nach dem Fall der Mauer. Ihr Interesse an den historischen und politischen Aussagen war dann allerdings gering, diese Besucher erfreuten sich eher an der für sie exotischen Ästhetik der Darstellung.

KURZTEXTVERSION
 
 
   Der "Leninsaal"

   Diorama "Sturm auf den Reichstag"

   Vitrine zur faschistischen Terrorherrschaft

   Die Bündnispartner 1945

    Darstellung des Vormarsches der sowjetischen Truppen

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