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Museum . Dauerausstellung . Kapitel 10. Langtextversion

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1945: Der Krieg in Deutschland
 

Zu Beginn des Jahres 1945 hatte das Deutsche Reich keinerlei Möglichkeit mehr, die Niederlage abzuwenden. Trotzdem wurde teils mit der Angst vor der Rache der Sieger, teils mit dem Versprechen von Wunderwaffen, teils mit drakonischen Strafen ein letzter Widerstand mobilisiert. Durch den Einsatz von Jugendlichen und alten Männern im "Volkssturm" sollte dieser Widerstand entscheidend verstärkt werden.

Vorbereitungen zur Flucht der Zivilbevölkerung vor den Kampfhandlungen waren von der deutschen Führung nicht getroffen worden. Als mit dem schnellen Vorrücken sowjetischer Verbände in Ostdeutschland große Teile der Bevölkerung die Flucht ergriffen, starben Hunderttausende in dem strengen Winter durch Kälte und Hunger, oder sie wurden Opfer von Kampfhandlungen und Racheexzessen.

Die zwei Offensiven der sowjetischen Armee - im Januar/Februar bis über die Oder und im April bis zur Eroberung Berlins und an die Elbe - forderten angesichts des starken deutschen Widerstandes auch auf sowjetischer Seite noch eine große Zahl von Toten. Weitaus höher waren die Verluste unter den unerfahrenen Soldaten und Volkssturmmännern auf deutscher Seite. Für die sowjetische Armee war die Eroberung Berlins, des Zentrums faschistischer Herrschaft, der Höhepunkt ihres Sieges nach einem Krieg, der mehr als drei Jahre im eigenen Land geführt worden war. Rachegefühle waren angesichts der Erfahrung mit den deutschen Angreifern im eigenen Lande in der sowjetischen Armee weit verbreitet. Durch die staatliche Propaganda wurden sie drastisch verstärkt. Zudem trafen die Soldaten nach Überschreiten der Grenzen auf ein Land, das in ihren Augen ungeheuer reich war. So wurde die deutsche Zivilbevölkerung Opfer zahlreicher Exzesse. Plünderungen, wahllose Zerstörungen und Brandschatzung waren an der Tagesordnung, sehr viele Frauen wurden Opfer von Vergewaltigungen, zahlreiche Opfer willkürlichen Totschlags waren zu beklagen. Diese Exzesse waren in der sowjetischen Führung zwar unerwünscht, aber sie reagierte erst spät und uneinheitlich. So blieben etliche Befehle zur Einhaltung der Disziplin wirkungslos, wenn die einzelnen Truppenkommandeure sie nicht vor Ort durchsetzten.

Als Maßnahme des stalinistischen Systems wurde in den eroberten Gebiete durch den NKWD eine große Zahl von Zivilisten als wirkliche oder vermeintliche Nationalsozialisten verhaftet und in die Sowjetunion deportiert. Unter den mehreren Hunderttausend Deportierten sind viele auch nur als Arbeitskraft verschickt worden. Diese Praxis wurde ab April weitgehend eingestellt, dafür wurden bald Internierungslager in Deutschland eingerichtet.

Angesichts dieser brutalen Praxis wurde nur noch selten wahrgenommen, dass sich die sowjetische Besatzungsmacht gleichzeitig um die Sicherung der knappen Versorgung, die Beseitigung der schlimmsten Kriegsschäden, den Aufbau einer deutschen Verwaltung und um die Förderung eines neuen Kulturlebens bemühte.


KURZTEXTVERSION

 
   Ostpreußische Flüchtlinge

   Deutsche Soldaten und Angehörige des "Volkssturms" gehen in sowjetische Gefangenschaft

   Schlachtfeld Berlin

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