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Die deutsche Führung setzte nach der Ausdehnung der Herrschaft
auf Österreich und die Tschechoslowakei ihre Expansionspolitik
fort. Das benachbarte Polen war das nächste Ziel. Trotz des
festen Entschlusses zur gewaltsamen Expansion bestand bei der deutschen
Führungsspitze Sorge vor einem Zweifrontenkrieg.
Eine Koalition der anderen europäischen Großmächte
England, Frankreich und der Sowjetunion gegen Hitler war 1939 möglich.
Zu einem Bündnis kam es aufgrund des tiefen gegenseitigen Misstrauens
nicht. Die Westmächte fürchteten die Ausdehnung der Stalinschen
Herrschaft in Osteuropa, Stalin hatte Angst vor einer neuen Einigung
der Westmächte mit dem Dritten Reich wie 1938 im Münchner
Abkommen, die dann die Sowjetunion allein in der Konfrontation mit
Deutschland gelassen hätte.
Stattdessen einigten sich Stalin und Hitler unter Rückstellung
aller ideologischen Überzeugungen und unter Missachtung aller
völkerrechtlichen Prinzipien auf die Aufteilung Polens und
Ostmitteleuropas. Mit dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag
vom 23. August 1939, dem Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28.
September 1939 (sowie jeweils beigefügten geheimen Zusatzprotokollen)
und einem am 11. Februar 1940 geschlossenen Wirtschaftsabkommen
wurde die Neuaufteilung im Osten Europas und die Zusammenarbeit
vertraglich festgelegt.
Das erste Opfer war Polen, das nach dem schnellen Erfolg des am
1. September 1939 begonnenen deutschen Angriffs zwischen Deutschland
und der Sowjetunion aufgeteilt wurde. Für die polnische Bevölkerung
begann eine fünf Jahre dauernde deutsche Besatzungsherrschaft,
die durch die Ermordung der polnischen Führungsschicht und
fast der gesamten jüdischen Bevölkerung, durch Vertreibung
und wirtschaftliche Ausbeutung charakterisiert war. Drei Millionen
polnische Juden und drei Millionen nichtjüdische Polen wurden
Opfer von Krieg und Besatzung.
Die Sowjetunion setzte im ehemaligen Ostpolen mit stalinistischen
Methoden unter einer vorwiegend nichtpolnischen Bevölkerung
ihre Herrschaft durch. Große Bevölkerungsgruppen wurden
deportiert, ca. 26.000 Vertreter der polnischen Staatsmacht und
des Bürgertums wurden exekutiert. Die drei baltischen Staaten
Litauen, Lettland und Estland wie auch Bessarabien wurden durch
das Abkommen mit Hitler annektiert, auch hier wurden Teile der Bevölkerung
deportiert. Finnland wurde in einem kurzen, aber verlustreichen
Krieg zu Gebietsabtretungen gezwungen.
Für Hitler war der Pakt von Anfang an nur ein taktisches Zwischenspiel,
das Hauptziel des Krieges, "Lebensraum im Osten", blieb
davon unberührt. Auch Stalin hat nicht an eine lange Dauer
des Paktes geglaubt. Für die sowjetische Führung scheint
neben den Eroberungen der Gewinn von Zeit das zentrale Motiv für
das Bündnis gewesen zu sein, um die Rote Armee technisch wie
personell aufzurüsten. Vor allem galt es, die Lücken in
den Reihen der kommandierenden Offiziere zu schließen, von
denen mindestens 60 Prozent durch die politischen Säuberungen
umgekommen waren.
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