|
Den Schwerpunkt des Zweiten Weltkriegs bildete vom Juni 1941 bis
zum Mai 1945 der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion.
Hier wurde, selbst nach der Landung der Westalliierten in Frankreich,
der weitaus größte Teil der Wehrmacht eingesetzt, auf
der anderen Seite stellte die sowjetische Armee die größte
Streitmacht der Alliierten. Auch die größten Verluste
des Zweiten Weltkriegs, unter Soldaten wie unter Zivilisten, wurden
durch den deutsch-sowjetischen Krieg gefordert.
Der Krieg wurde mehr als drei Jahre auf sowjetischem Territorium
und weniger als ein halbes Jahr in Deutschland geführt. Auch
hier gab es zwar Frontabschnitte, an denen wie im Ersten Weltkrieg
für den Besitz weniger Quadratkilometer Zehntausende Soldaten
beider Seiten geopfert wurden, aber das Charakteristische dieses
Krieges waren Konzentrationen großer gepanzerter Verbände,
weiträumige Operationen und Umfassungen des Gegners. Die Kesselschlachten
bei Bialystok und Minsk, bei Smolensk und bei Kiew brachten der
deutschen Seite die großen Erfolge der ersten Kriegsphase
mit jeweils mehreren Hunderttausend Kriegsgefangenen. Die Vernichtung
der 6. deutschen Armee im Kessel von Stalingrad setzte das eindeutige
Zeichen für die Kriegswende, und der große Durchbruch
der Roten Armee in Weißrussland im Sommer 1944 vernichtete
eine ganze Heeresgruppe von 300.000 Mann.
Diese zentralen Operationen des Krieges mit ihren starken Konzentrationen
von Soldaten und modernem Kriegsmaterial dürfen jedoch nicht
verdecken, dass der Krieg überwiegend mit Massen von Infanteristen
geführt wurde, die nach dem Ferntransport mit der Eisenbahn
sich zu Fuß bewegten, sich zum beträchtlichen Teil aus
dem Lande versorgten und von bespannten Einheiten unterstützt
und versorgt wurden. In keinem anderen Krieg sind mehr Pferde eingesetzt
worden. Große Entfernungen und extreme klimatische Bedingungen
hatten auf die Kampfführung beider Seiten einen wesentlichen
Einfluss.
Das deutsche Kriegsziel, die Sowjetunion in einem Blitzkrieg von
maximal vier Monaten Dauer spätestens bis Herbst 1941 besiegt
zu haben, war mit der verlorenen Schlacht vor Moskau im November/Dezember
1941 verfehlt worden. Die Erfolge der zweiten deutschen Großoffensive
im Sommer 1942 lösten auf sowjetischer Seite zwar eine extreme
Krisenstimmung aus, diese Offensive setzte sich aber nur noch Teilziele
(Ölfelder, Verkehrswege an der Wolga), die nicht das Kriegsende
bedeutet hätten. In der Stalingrader Schlacht, der von beiden
Seiten auch hohe symbolische Bedeutung zugemessen wurde, scheiterte
der Vormarsch. Diese Niederlage machte aller Welt die Unmöglichkeit
eines militärischen Sieges des Deutschen Reiches deutlich.
In den folgenden zweieinhalb Kriegsjahren wurde auf deutscher Seite
dennoch gekämpft, als ob bei ausreichender Anstrengung noch
eine Kriegswende möglich gewesen wäre. Die Fortsetzung
des Krieges war ohne jede militärische Erfolgsaussicht. Die
in weiten Bereichen praktizierte Rückzugsstrategie der "verbrannten
Erde" charakterisiert insgesamt die letzte Kriegsphase: Wenn
schon die eigene Niederlage nicht abzuwenden war, sollte auch auf
der anderen Seite noch möglichst viel zerstört werden.
Die großen deutschen Verluste wurden von der Führung
als notwendiges Opfer angesehen.
|