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Museum . Dauerausstellung . Kapitel 8.3

Kollaboration
 

Hunderttausende sowjetische Bürger standen im Dienst der deutschen Besatzungsmacht. Sie verrichteten Tätigkeiten für deutsche Verwaltungsstellen, für Wirtschaftsbetriebe oder die Reichsbahn. Man versuchte, sich mit dem Besatzungsregime zu arrangieren und das eigene Überleben unter den Zwängen des Kriegs- und Besatzungsalltags zu sichern.
Eine besondere Stellung nahm der Dienst in den bewaffneten Verbänden der Wehrmacht sowie der SS und der Polizei ein. 800.000 bis 1 Million Bewohner der Sowjetunion dienten in Verbänden der Wehrmacht, ca. 200.000 waren im Polizeidienst tätig.
Für die sowjetischen Kriegsgefangenen war der Dienst als "Hilfswilliger" ("Hiwi") in der Wehrmacht weniger ein politisches Bekenntnis als vielmehr eine Möglichkeit, den katastrophalen Bedingungen in den Gefangenenlagern zu entkommen.
In aktive Kooperation eingebunden waren die sog. Osttruppen. Sie waren nach Nationalitäten gegliedert und wurden insbesondere bei der Partisanenbekämpfung eingesetzt. Politisches Einverständnis und bewusste Kollaboration mit der NS-Führung bedeutete die Mitarbeit bei SS und Polizei. An den Massenmorden der Einsatzgruppen waren in hohem Maße einheimische "Schutzverbände" beteiligt.
Vor allem in den westlichen, erst 1939/40 annektierten Gebieten der UdSSR fand die deutsche Besatzung zunächst Zustimmung und Unterstützung. Eine wesentliche Rolle spielten dabei antisemitische und antikommunistische Traditionen. Die deutsche Führung lehnte jedoch eine engere Zusammenarbeit mit einheimischen Kräften ab. Erst angesichts der sich abzeichnenden Niederlage versuchte man, verstärkt auf kollaborationsbereite Kräfte zurückzugreifen. Die Ende 1944 unter dem ehemaligen sowjetischen General Wlassow aufgestellte "Russische Befreiungsarmee" war ein Ausdruck dieses halbherzigen Kurswechsels.

 
 
   Lettisches SS-Bataillon im Einsatz beim Kampf gegen Partisanen

   Ärmelabzeichen der "Russischen Befreiungsarmee" (ROA) sowie georgischer und aserbaidschanischer Freiwilligenverbände

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