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Hunderttausende sowjetische Bürger standen im Dienst der deutschen
Besatzungsmacht. Sie verrichteten Tätigkeiten für deutsche
Verwaltungsstellen, für Wirtschaftsbetriebe oder die Reichsbahn.
Man versuchte, sich mit dem Besatzungsregime zu arrangieren und
das eigene Überleben unter den Zwängen des Kriegs- und
Besatzungsalltags zu sichern.
Eine besondere Stellung nahm der Dienst in den bewaffneten Verbänden
der Wehrmacht sowie der SS und der Polizei ein. 800.000 bis 1 Million
Bewohner der Sowjetunion dienten in Verbänden der Wehrmacht,
ca. 200.000 waren im Polizeidienst tätig.
Für die sowjetischen Kriegsgefangenen war der Dienst als "Hilfswilliger"
("Hiwi") in der Wehrmacht weniger ein politisches Bekenntnis
als vielmehr eine Möglichkeit, den katastrophalen Bedingungen
in den Gefangenenlagern zu entkommen.
In aktive Kooperation eingebunden waren die sog. Osttruppen. Sie
waren nach Nationalitäten gegliedert und wurden insbesondere
bei der Partisanenbekämpfung eingesetzt. Politisches Einverständnis
und bewusste Kollaboration mit der NS-Führung bedeutete die
Mitarbeit bei SS und Polizei. An den Massenmorden der Einsatzgruppen
waren in hohem Maße einheimische "Schutzverbände"
beteiligt.
Vor allem in den westlichen, erst 1939/40 annektierten Gebieten
der UdSSR fand die deutsche Besatzung zunächst Zustimmung und
Unterstützung. Eine wesentliche Rolle spielten dabei antisemitische
und antikommunistische Traditionen. Die deutsche Führung lehnte
jedoch eine engere Zusammenarbeit mit einheimischen Kräften
ab. Erst angesichts der sich abzeichnenden Niederlage versuchte
man, verstärkt auf kollaborationsbereite Kräfte zurückzugreifen.
Die Ende 1944 unter dem ehemaligen sowjetischen General Wlassow
aufgestellte "Russische Befreiungsarmee" war ein Ausdruck
dieses halbherzigen Kurswechsels.
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