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Museum . Dauerausstellung . Kapitel 9.1.

Sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter im Reichsgebiet
 

Zu Anfang des Krieges zeigte sich die nationalsozialistische Führung aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen an einem Überleben der sowjetischen Kriegsgefangenen nicht interessiert. Als der "Blitzkrieg" jedoch scheiterte und die deutsche Wirtschaft sich auf eine längere Kriegführung umstellen musste, erhielten die sowjetischen Gefangenen als Arbeitskräfte einen Wert.
Im Spätherbst 1941 wurde der Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener wie auch Zivilarbeiter in der deutschen Industrie und Landwirtschaft genehmigt. Im Zuge des sog. "Russeneinsatzes" wurden von Ende 1941 bis zum Spätsommer 1944 630.000 sowjetische Kriegsgefangene und 2,8 Millionen zivile Arbeitskräfte nach Deutschland gebracht.
Die deutsche Wirtschaftspolitik suchte mit dem Einsatz sowjetischer Arbeitskräfte ein Maximum an Arbeitsleistung bei minimalem Kostenaufwand zu erreichen. Die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter wurden zu ersetzbarem Menschenmaterial reduziert. Rassen- und sicherheitspolitische Vorbehalte bestimmten die Politik gegenüber den sowjetischen Zwangsarbeitern in hohem Maße und behinderten selbst geringfügige Verbesserungen in der Versorgung.
Dieser Politik fielen insbesondere die sowjetischen Kriegsgefangenen im Deutschen Reich zum Opfer. Zehntausende von ihnen starben an Hunger, Entkräftung oder Fleckfieber. Die sowjetischen Zivilarbeiter - über 50% waren junge Frauen im Alter von 17 bis 22 Jahren - kamen zumeist infolge rücksichtsloser Zwangsrekrutierungen ins Reichsgebiet. Ihre Lebensbedingungen hingen weitgehend von Arbeitsort und Arbeitgeber ab. Die Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion waren durch besondere Abzeichen ("OST") gekennzeichnet und in ihrer Lebensführung restriktiven Vorschriften unterworfen.
Sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter hatten auch nach Kriegsende noch unter ihrem Schicksal zu leiden. Ehemalige Kriegsgefangene sahen sich dem pauschalen Vorwurf der Kollaboration ausgesetzt und mussten häufig längere Zeit Strafdienst in Arbeitsbataillonen der Armee leisten. Auch die Zwangsarbeiter wurden bei ihrer Rückkehr in die Sowjetunion mit Misstrauen konfrontiert und erhielten keinerlei Entschädigung oder Pension. Erst in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre setzte in der Sowjetunion allmählich eine offenere Diskussion in dieser Frage ein.

 
 
   Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag XD/310 Wietzendorf

   Sowjetische Zwangsarbeiterinnen in einem Kfz-Instandsetzungswerk der Wehrmacht in Berlin

   Ausschnitt aus der Personenkartei "Ausländische Arbeiter"

   Raum 9 Zwangsarbeit

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