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Im Laufe des Krieges gegen die Sowjetunion gerieten 3,15 Millionen
deutsche Soldaten in sowjetische Gefangenschaft. Nahezu jeder Fünfte
überlebte die Gefangenschaft nicht.
Die Zahl der Todesopfer, die besonders in den ersten Kriegsjahren
sehr hoch lag, war nicht das Ergebnis einer gezielten sowjetischen
Vernichtungsstrategie. Die schlechten Lebensbedingungen der Kriegsgefangenen
waren auf organisatorische Mängel, Korruption und Willkür
zurückzuführen. Zu einem wesentlichen Teil resultierte
die mangelhafte Versorgung aus den verheerenden Schäden, die
der Krieg in der Sowjetunion verursacht hatte und unter denen auch
die sowjetische Bevölkerung zu leiden hatte.
Die Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion bedeutete für die
meisten deutschen Soldaten einen ständigen Überlebenskampf
gegen Hunger, Kälte, Krankheit. Die Ungewissheit über
die Dauer der Gefangenschaft und die als willkürlich erfahrene
sowjetische Rechtsprechung verschärften das Gefühl von
Unsicherheit und Orientierungslosigkeit noch einmal tiefgreifend.
Schließlich wurde ein kleiner Teil der deutschen Kriegsgefangenen
als Faustpfand in den politischen Auseinandersetzungen zwischen
der Sowjetunion und dem Westen eingesetzt. Einige konnten erst zehn
Jahre nach Kriegsende zurückkehren.
Ein kleiner Kreis deutscher Soldaten und Offiziere versuchte während
des Krieges aus der Gefangenschaft heraus, politisch-propagandistisch
gegen das NS-Regime und seinen Krieg zu wirken. Die im Sommer 1943
gegründeten Organisationen "Nationalkomitee Freies Deutschland"
und "Bund Deutscher Offiziere" arbeiteten in Abhängigkeit
von den sowjetischen Stellen. Die Tätigkeit der Mitglieder,
zu denen Walther von Seydlitz, Heinrich von Einsiedel und Bernt
von Kügelgen zählten, ist bis heute umstritten. Die Kritik
reicht von einer positiven Bewertung des konsequenten Engagements
für eine Beendigung des Krieges bis zu dem Vorwurf, sie hätten
aus Opportunismus mit Kommunisten zusammengearbeitet.
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