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Museum . Rezeption . Berliner Zeitung 14.07.2000

Bersarin soll wieder Ehrenbürger werden
Abgeordnetenhaus beschließt Antrag gegen die Stimmen der CDU / Jetzt muss der Senat entscheiden
 

Christine Richter

Der erste sowjetische Stadtkommandant in Berlin, Nikolai Bersarin, soll wieder Ehrenbürger der Stadt werden. Dies beschloss das Abgeordnetenhaus am Donnerstag nach einer heftigen Debatte mit den Stimmen von SPD, Grünen und PDS gegen die CDU. 88 Abgeordnete votierten für den Antrag, 70 stimmten dagegen. Die Sozialdemokraten verstießen damit erneut gegen die Koalitionsvereinbarung, die ein unterschiedliches Abstimmungsverhalten der beiden Regierungsparteien ausschließt.

Bersarin war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der erste Stadtkommandant in Berlin. Nach nur sechs Wochen Amtszeit verunglückte der sowjetische General bei einem Motorradunfall tödlich. 1975 ernannte der Ostberliner Magistrat Bersarin zum Ehrenbürger. Als nach dem Fall der Mauer die beiden Ehrenbürger-Listen von Ost- und West-Berlin zusammengefasst wurden, entschied der Senat 1992, Bersarin von der Liste zu streichen. Sein Wirken habe nicht den Richtlinien für eine Verleihung der Ehrenbürgerschaft entsprochen, hieß es damals. Die Berliner CDU hatte nämlich behauptet, dass Bersarin als Militärbefehlshaber im Baltikum für die Deportation von 47 000 Menschen verantwortlich gewesen sei. Dies stellte sich später nach Recherchen von Historikern als falsch heraus, denn Bersarin war zu dieser Zeit nicht als General im Baltikum.

Der russische Stadtkommandant habe sich "um Berlin verdient gemacht", sagte der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer. Er habe sich um die Versorgung der Menschen gekümmert, aber "trotz des Chaos" noch Zeit gefunden, sich um die Kunst, Kultur und freie Religionsausübung zu bemühen.

Bersarins Wirken ging weit über die Pflichten eines kommunistischen Stadtkommandanten hinaus, waren sich die Abgeordneten von SPD, Grünen und PDS einig. "Seiner Toleranz und seinem Engagement für Berlin entsprach es, dass er unbelastete, konservativ eingestellte Persönlichkeiten in die Aktivitäten für das Wohl der Stadt miteinbezog", sagte auch die PDS-Abgeordnete Gesine Lötzsch. Das Parlament und der Senat müssten deshalb den Fehler von 1992 korrigieren. "Die Entscheidung war ein Fehler, wir haben den Behauptungen geglaubt", sagte auch die SPD-Abgeordnete Irana Rusta.

Die CDU möchte den sowjetischen Stadtkommandanten dennoch nicht mehr zum Ehrenbürger ernennen. "Bersarin war nur sechs Wochen Stadtkommandant und hat sich in dieser Zeit vernünftig verhalten", sagte zwar auch der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Uwe Lehmann-Brauns. "Aber das reicht nicht aus." Es sei nicht entschieden, ob Bersarin nur "eine humane Maske" getragen habe. Er könne es nicht verstehen, warum sich die SPD mit der PDS gemein mache.

Ob Bersarin nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses jetzt wieder zum Ehrenbürger ernannt wird, ist jedoch noch offen. Dies können nämlich nur Abgeordnetenhaus und Senat gemeinsam entscheiden. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) lehnt es ab, Bersarin posthum wieder in die Ehrenbürger-Liste aufzunehmen.

 

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