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Christine Dankbar
Nikolaj Erastowitsch Bersarin soll wieder Ehrenbürger Berlins werden.
Das hat das Parlament gestern beschlossen. Und damit reichlich spät
eine Fehlentscheidung aus dem Jahre 1992 korrigiert. Damals war
Bersarin als Ost-Berliner Ehrenbürger abgewickelt und nicht in die
Gesamtberliner Liste übernommen worden.
Offizieller Grund: Ihm wurde fälschlich unterstellt, er sei 1940
als Befehlshaber im Baltikum für die Deportation Zehntausender Menschen
verantwortlich gewesen. Dass es noch einen anderen Grund gab, zeigt
die Hartnäckigkeit, mit der die CDU die Ehrenbürgerschaft für Bersarin
verhindern wollte - auch als längst klar war, dass die Vorwürfe
gegen ihn haltlos sind. Dass sich Bersarin während seiner kurzen
Amtszeit "offenbar korrekt" verhalten habe, reiche nicht aus für
eine Ehrenbürgerschaft, sagte der CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns.
Früher hat er Bersarin kurz als "Sendboten Stalins" bezeichnet.
Und schon fühlte man sich ins alte West-Berlin zurückversetzt. In
die unbeugsame Frontstadt, die sich vom Kommunismus nicht in die
Knie zwingen ließ. Ja, das waren Zeiten. Früher. Im Jahr elf nach
der Wende kann noch nicht vergessen sein, dass Berlin mal aus zwei
Stadthälften bestand. Und zumindest um die eine haben sich nun mal
auch Kommunisten verdient gemacht.
Bersarin, der kulturbegeisterte Pragmatiker, ist da nicht das schlechteste
Beispiel. Er gehört deshalb ins Gedächtnis der wieder geeinten Stadt.
Die Christdemokraten haben sich gestern nicht zu dieser Auffassung
durchringen können. Und so bestätigt, dass manche Vorurteile durchaus
ihre Berechtigung haben. Zum Beispiel jene gegen die unverbesserlichen
Westalgiker.
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