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Museum . Rezeption . Berliner Zeitung, 14.07.2000

Ein "Sendbote Stalins" als Ehrenbürger?
 

Christine Dankbar

Nikolaj Erastowitsch Bersarin soll wieder Ehrenbürger Berlins werden. Das hat das Parlament gestern beschlossen. Und damit reichlich spät eine Fehlentscheidung aus dem Jahre 1992 korrigiert. Damals war Bersarin als Ost-Berliner Ehrenbürger abgewickelt und nicht in die Gesamtberliner Liste übernommen worden.

Offizieller Grund: Ihm wurde fälschlich unterstellt, er sei 1940 als Befehlshaber im Baltikum für die Deportation Zehntausender Menschen verantwortlich gewesen. Dass es noch einen anderen Grund gab, zeigt die Hartnäckigkeit, mit der die CDU die Ehrenbürgerschaft für Bersarin verhindern wollte - auch als längst klar war, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Dass sich Bersarin während seiner kurzen Amtszeit "offenbar korrekt" verhalten habe, reiche nicht aus für eine Ehrenbürgerschaft, sagte der CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns. Früher hat er Bersarin kurz als "Sendboten Stalins" bezeichnet. Und schon fühlte man sich ins alte West-Berlin zurückversetzt. In die unbeugsame Frontstadt, die sich vom Kommunismus nicht in die Knie zwingen ließ. Ja, das waren Zeiten. Früher. Im Jahr elf nach der Wende kann noch nicht vergessen sein, dass Berlin mal aus zwei Stadthälften bestand. Und zumindest um die eine haben sich nun mal auch Kommunisten verdient gemacht.

Bersarin, der kulturbegeisterte Pragmatiker, ist da nicht das schlechteste Beispiel. Er gehört deshalb ins Gedächtnis der wieder geeinten Stadt. Die Christdemokraten haben sich gestern nicht zu dieser Auffassung durchringen können. Und so bestätigt, dass manche Vorurteile durchaus ihre Berechtigung haben. Zum Beispiel jene gegen die unverbesserlichen Westalgiker.

 

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