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Museum . Rezeption . Berliner Morgenpost, 13.10.2000

Neuer Streit um Bersarins Ehrenbürgerschaft
 

Zwischen den Koalitionspartnern SPD und CDU droht neuer Streit. Grund: Die umstrittene Ehrenbürgerschaft von Nikolai Bersarin. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen lehnte jetzt die Forderung des Parlaments ab, den früheren sowjetischen Stadtkommandanten doch noch zum Gesamtberliner Ehrenbürger zu ernennen. Senatssprecher Michael-Andreas Butz begründete das Nein mit bestehenden Richtlinien.

Danach können Ehrenbürgerschaften nicht posthum verliehen werden. Laut Butz stimmte dem der Senat einvernehmlich zu. Bausenator Peter Strieder meinte dagegen, es habe keine Zustimmung der SPD-Senatoren gegeben. Der SPD-Landeschef erwartet, dass das Problem nochmals im Senat behandelt wird.

Bersarin war 1992 neben weiteren zehn russischen Militärs nicht in eine gesamtstädtische Ehrenbürgerliste aufgenommen worden. Grund: Es gab Vorwürfe, er hätte als Befehlshaber im Baltikum die Deportation von fast 50 000 Menschen befohlen. Diese Anschuldigungen erwiesen sich als falsch. Darauf stimmten SPD, Bündnis 90/Grüne und PDS am 13. Juli diesen Jahres - gegen das Votum der CDU - dafür, Bersarin doch als Ehrenbürger für die wiedervereinigte Stadt zu übernehmen.

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD Irana Rusta meinte, Diepgens Antwort werde "von ihrer Fraktion nicht akzeptiert und soll ein parlamentarisches Nachspiel haben". Die Verwaltung hätte nach dem eindeutigen politischen Votum der Parlamentarier schauen müssen, wie man Bersarin die Würde zukommen lassen kann, statt einseitig nur nach Ablehnungsgründen zu suchen.

Für Michael Cramer vom Bündnis 90/Grüne "ignoriert und brüskiert Diepgen die erste Gewalt". Das Bündnis 90 forderte den Senat und vor allem die SPD-Senatoren auf, die Haltung nochmals zu überprüfen. Die PDS bezeichnete die Weigerung als "Affront auch gegen die Partnerstadt Moskau". Für den CDU-Kulturexperten Uwe Lehmann-Brauns kommt Bersarin als Ehrenbürger nicht in Frage, da er nachweislich an Übergriffen gegen die Berliner Bevölkerung beteiligt war.

Butz erklärte, Bersarin sei nicht generell als Ehrenbürger gestrichen worden. In der früheren Liste Ost-Berlins existiert er noch. Getilgt wurden nach der Wende u. a. die Namen von Walter Ulbricht und Erich Honecker. Die Stadt hat aktuell 109 Ehrenbürger. MP

 

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