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Sechs Millionen sowjetische Soldaten gerieten im Zweiten Weltkrieg in deutsche
Gefangenschaft, auf deutscher Seite waren es drei Millionen Soldaten, die von der
sowjetischen Armee gefangen genommen wurden. Von den sowjetischen Soldaten
überlebten drei Millionen nicht die Gefangenschaft, eine Million deutsche
Gefangene starben in der Haft.
Wenn Soldaten an der Front sich unmittelbar aus dem aussichtslos scheinenden
Kampf ergaben, war dies ein Augenblick extremer Gefährdung. Der eben noch mit
allen Kräften kämpfende Soldat wurde zum wehrlosen, dem Sieger ausgelieferten
Gefangenen. Der Sieger hatte dagegen innerhalb von Sekunden seine Tötungsabsicht
aufzugeben, ein Wechsel, der nicht immer gelang - dann zahlte der Unterlegene mit
seinem Leben.
Für die Besiegten war auch bei körperlicher Unversehrtheit die Gefangennahme in
der Regel ein Moment tiefer Verletzung. Das Vertrauen in die eigene Stärke und
die Hoffnung auf den Sieg, auf die sich wesentlich das Selbstbewußtsein stützte
und die dazu beitrugen, alle Ängste und Strapazen auf sich zu nehmen, waren jetzt
endgültig zerbrochen. Zugleich brach das Gerüst der militärischen Organisation
zusammen, der Soldat war auf sich allein gestellt und konnte lediglich auf sein
nacktes Überlebens hoffen. Wer an Kriegselend erinnert, wird daher auch an das
Elend der Kriegsgefangenen erinnern müssen. Selbst bei Beachtung des Völkerrechts
prägte es die Situation der Soldaten - und war umso größer war, wenn dessen
Schutzbestimmungen - wie bei den sowjetischen Gefangenen - fundamental mißachtet
wurden.
Die Fotos der Ausstellung dokumentieren diese verzweifelte Situation, die
Demütigung wie auch den physischem Zustand der Gefangenen beider Seiten. Unser
Blick auf die Fotos ist jedoch nicht der Blick der Zeitgenossen. Die Fotografen
arbeiteten im Auftrag der Sieger, ihre Fotos vom Elend der Gefangenen sollten den
Triumph über den besiegten Feind deutlich machen: Den Bildern stehen daher
Zeitungen und Flugblätter der Kriegsjahre gegenüber, die Fotos von
Kriegsgefangenen als Feindbilder und Bilder vom Feind zur Propaganda benutzten.
Damit verlieren die Fotos ein Stück ihrer vermeintlichen Eindeutigkeit, wir sind
gezwungen, auch nach den Umständen und Absichten ihrer Entstehung zu fragen.
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband im Christoph Links-Verlag, der im
Buchhandel als Hardcover, im Museum als Broschur erhältlich ist.
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