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Museum . Sonderausstellung . "Beutestücke"

Beutestücke
Beutestücke. Kriegsgefangene in der deutschen und sowjetischen Fotografie 1941-1945

Ausstellung vom 14. Juni bis 12. Oktober 2003
Eröffnung am 13. Juni 2003 18:00 Uhr

Flyer: Beutestücke

   

Sechs Millionen sowjetische Soldaten gerieten im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft, auf deutscher Seite waren es drei Millionen Soldaten, die von der sowjetischen Armee gefangen genommen wurden. Von den sowjetischen Soldaten überlebten drei Millionen nicht die Gefangenschaft, eine Million deutsche Gefangene starben in der Haft.

Wenn Soldaten an der Front sich unmittelbar aus dem aussichtslos scheinenden Kampf ergaben, war dies ein Augenblick extremer Gefährdung. Der eben noch mit allen Kräften kämpfende Soldat wurde zum wehrlosen, dem Sieger ausgelieferten Gefangenen. Der Sieger hatte dagegen innerhalb von Sekunden seine Tötungsabsicht aufzugeben, ein Wechsel, der nicht immer gelang - dann zahlte der Unterlegene mit seinem Leben.

Für die Besiegten war auch bei körperlicher Unversehrtheit die Gefangennahme in der Regel ein Moment tiefer Verletzung. Das Vertrauen in die eigene Stärke und die Hoffnung auf den Sieg, auf die sich wesentlich das Selbstbewußtsein stützte und die dazu beitrugen, alle Ängste und Strapazen auf sich zu nehmen, waren jetzt endgültig zerbrochen. Zugleich brach das Gerüst der militärischen Organisation zusammen, der Soldat war auf sich allein gestellt und konnte lediglich auf sein nacktes Überlebens hoffen. Wer an Kriegselend erinnert, wird daher auch an das Elend der Kriegsgefangenen erinnern müssen. Selbst bei Beachtung des Völkerrechts prägte es die Situation der Soldaten - und war umso größer war, wenn dessen Schutzbestimmungen - wie bei den sowjetischen Gefangenen - fundamental mißachtet wurden.

Die Fotos der Ausstellung dokumentieren diese verzweifelte Situation, die Demütigung wie auch den physischem Zustand der Gefangenen beider Seiten. Unser Blick auf die Fotos ist jedoch nicht der Blick der Zeitgenossen. Die Fotografen arbeiteten im Auftrag der Sieger, ihre Fotos vom Elend der Gefangenen sollten den Triumph über den besiegten Feind deutlich machen: Den Bildern stehen daher Zeitungen und Flugblätter der Kriegsjahre gegenüber, die Fotos von Kriegsgefangenen als Feindbilder und Bilder vom Feind zur Propaganda benutzten. Damit verlieren die Fotos ein Stück ihrer vermeintlichen Eindeutigkeit, wir sind gezwungen, auch nach den Umständen und Absichten ihrer Entstehung zu fragen.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband im Christoph Links-Verlag, der im Buchhandel als Hardcover, im Museum als Broschur erhältlich ist.
 

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