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Das deutsch-russische Museum Berlin-Karlshorst erinnert in seiner
Dauerausstellung an einen Abschnitt der Geschichte, der keine Harmonieseligkeit
aufkommen lässt, den Krieg im Osten, der zwischen 1941 und
1945 mehr als 30 Millionen Opfer forderte. So soll auch das Thema
der ersten Sonderausstellung ein unbequemes und strittiges sein,
das zur Auseinandersetzung und Überprüfung alter Vorstellungen
herausfordert.
Auch wer dreißig Jahre nach dem Tod Ilja Ehrenburgs (1891-1967)
Auskunft über ihn sucht, kann extrem gegensätzliche Antworten
erhalten: An den Vertreter der literarischen Avantgarde des 20.
Jahrhunderts und Kosmopoliten der europäischen Hauptstädte,
den journalistischen Kämpfer gegen die faschistischen Regime,
den ersten Berichterstatter des nationalsozialistischen Völkermordes
an den sowjetischen Juden und die erste Stimme des "Tauwetters"
nach Stalins Tod werden die einen erinnern. Andere weisen dagegen
auf den Verfasser soz-realistischer linientreuer Romane und zahlreicher
Elogen auf Stalin, auf den maßlosen Agitator des Zweiten Weltkrieges,
für den deutsch und faschistisch Synonyme waren, auf den willigen
Propagandisten der kommunistischen Weltfriedensbewegung.
Kein Zweifel, dass Leben und Werk umstritten waren, im eigenen Land
wie auch jenseits der Grenzen. Aber in keinem Land ist er mehr zum
Schreckbild geworden als in Deutschland. Schon für die NS-Propaganda
als Prototyp des kosmopolitischen "Asphaltliteraten" und
"jüdischen Bolschewisten" bevorzugtes Feindbild,
wurde er nach dem Krieg noch einmal in der Bundesrepublik Deutschland
zum propagandistisch Verantwortlichen für die Leiden der deutschen
Zivilbevölkerung zum Kriegsende im Osten gemacht. Auch wenn
die jüdische Identität Ehrenburgs nach dem Krieg nicht
mehr benannt wurde, standen diese Angriffe in der Kontinuität
der alten Feindbilder.
Mit der Ausstellung über Ilja Ehrenburg sollen jenseits feierlicher
Preisgesänge und aggressiver Feindbilder Leben und Werk eines
Schriftstellers kenntlich gemacht werden, die für die Wege
in die Moderne exemplarischen Charakter besitzen.
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