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Soldaten, die in den Krieg geschickt werden, erhalten ihre Ausrüstung:
Brotbeutel, Kochgeschirr, Feldflasche, Spaten, Gewehr und was jeweils
noch für den Krieg erforderlich ist. Dazu haben sie ein wenig
Platz für die persönlichen Dinge wie etwa die Brieftasche
mit Post und Bildern der Angehörigen, einen Taschenkalender,
Rauchzeug, vielleicht ein kleines Buch.
Unter den Soldaten, die seit 1939 von Deutschland aus in den Krieg
zogen, hatten aber viele Hunderttausend auch einen Fotoapparat bei
sich und wollten damit etwas von ihrem neuen und besonderen Lebensabschnitt
im Bild fixieren: sich selbst und die Kameraden, die eigene Tätigkeit
und ihre Machtmittel, den veränderte Alltag wie auch die Feste,
die fremden Länder und Völker - aber auch die Zerstörungen
des Krieges, die gefallenen und exekutierten Feinde, die deutschen
"Heldengräber".
Natürlich waren das eher die Panzersoldaten, Artilleristen
und Luftwaffensoldaten, die einen kleinen Platz für zusätzliches
Gepäck auf einem Fahrzeug finden konnten, als die große
Zahl der Infanteristen, die ihre Ausrüstung Tag für Tag
auf dem Rücken schleppen mussten. Aber selbst bei ihnen sind
noch viele zu finden, die diesen Abschnitt ihres Lebens für
sich und die zuhause Gebliebenen festhalten wollten.
Sie setzten damit eine Praxis fort, die im Laufe der dreißiger
Jahre in Deutschland einen enormen Aufschwung erfahren hatte: Nur
noch selten wurden die Ereignisse des Lebens beim Fotografen im
Atelier arrangiert und aufgenommen, häufiger und intimer ermöglichte
der eigene Fotoapparat, Lebensstationen im Bild zu erfassen. Und
viele wollten sich diese Möglichkeiten auch unter den Bedingungen
des Krieges erhalten.
Diese Fotos, die in großer Zahl in den Familien gesammelt
und überliefert wurden, sind ein wichtiges und kaum erschlossenes
Zeugnis der Kriegserfahrung aus der Perspektive des "kleinen
Mannes". Zweifellos sind sie authentisch - unter vielen Aspekten
authentischer als die professionellen Auftrags- und Propagandafotos.
Aber damit sind sie keineswegs der objektive Spiegel der ganzen
Realität des Krieges. Vieles an ihnen bleibt in der Rückschau
rätselhaft, und vieles erschließt sich heute nur über
die erhaltenen Kommentare der Autoren, über unsere Kenntnisse
von den Arbeits- und Lebensbedingungen der knipsenden Soldaten und
den Bildern in ihren Köpfen, die bereits vor dem Druck auf
den Auslöser die Motive und Perspektiven prägten. So sind
diese Fotos zwar Zeugnisse eines Teiles der Kriegsrealität,
aber ebenso weisen sie auf Bewusstsein und Mentalität von Millionen
deutscher Soldaten im Krieg.
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