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Museum . Sonderausstellung . Foto-Feldpost

Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939-1945
Ausstellung vom 30. März bis 12. Juni 2000, verlängert bis 16. Juli 2000


Foto Feldpost

   

Soldaten, die in den Krieg geschickt werden, erhalten ihre Ausrüstung: Brotbeutel, Kochgeschirr, Feldflasche, Spaten, Gewehr und was jeweils noch für den Krieg erforderlich ist. Dazu haben sie ein wenig Platz für die persönlichen Dinge wie etwa die Brieftasche mit Post und Bildern der Angehörigen, einen Taschenkalender, Rauchzeug, vielleicht ein kleines Buch.
Unter den Soldaten, die seit 1939 von Deutschland aus in den Krieg zogen, hatten aber viele Hunderttausend auch einen Fotoapparat bei sich und wollten damit etwas von ihrem neuen und besonderen Lebensabschnitt im Bild fixieren: sich selbst und die Kameraden, die eigene Tätigkeit und ihre Machtmittel, den veränderte Alltag wie auch die Feste, die fremden Länder und Völker - aber auch die Zerstörungen des Krieges, die gefallenen und exekutierten Feinde, die deutschen "Heldengräber".

Natürlich waren das eher die Panzersoldaten, Artilleristen und Luftwaffensoldaten, die einen kleinen Platz für zusätzliches Gepäck auf einem Fahrzeug finden konnten, als die große Zahl der Infanteristen, die ihre Ausrüstung Tag für Tag auf dem Rücken schleppen mussten. Aber selbst bei ihnen sind noch viele zu finden, die diesen Abschnitt ihres Lebens für sich und die zuhause Gebliebenen festhalten wollten.

Sie setzten damit eine Praxis fort, die im Laufe der dreißiger Jahre in Deutschland einen enormen Aufschwung erfahren hatte: Nur noch selten wurden die Ereignisse des Lebens beim Fotografen im Atelier arrangiert und aufgenommen, häufiger und intimer ermöglichte der eigene Fotoapparat, Lebensstationen im Bild zu erfassen. Und viele wollten sich diese Möglichkeiten auch unter den Bedingungen des Krieges erhalten.

Diese Fotos, die in großer Zahl in den Familien gesammelt und überliefert wurden, sind ein wichtiges und kaum erschlossenes Zeugnis der Kriegserfahrung aus der Perspektive des "kleinen Mannes". Zweifellos sind sie authentisch - unter vielen Aspekten authentischer als die professionellen Auftrags- und Propagandafotos. Aber damit sind sie keineswegs der objektive Spiegel der ganzen Realität des Krieges. Vieles an ihnen bleibt in der Rückschau rätselhaft, und vieles erschließt sich heute nur über die erhaltenen Kommentare der Autoren, über unsere Kenntnisse von den Arbeits- und Lebensbedingungen der knipsenden Soldaten und den Bildern in ihren Köpfen, die bereits vor dem Druck auf den Auslöser die Motive und Perspektiven prägten. So sind diese Fotos zwar Zeugnisse eines Teiles der Kriegsrealität, aber ebenso weisen sie auf Bewusstsein und Mentalität von Millionen deutscher Soldaten im Krieg.
 

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