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Museum . Sonderausstellung . "Blockade Leningrads"

"Blockade Leningrads 1941-1944. Dossiers"

Sonderausstellung des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst vom 15. Mai bis 5. September 2004
Eröffnung am Freitag, den 14. Mai 2004 um 18 Uhr
Pressetermin: Freitag, 14. Mai 2004, 11 Uhr

Blockade Leningrads

   

Dossier[...], das, -s/-s, Akte, in der (belastendes) Material über jemanden, einen Vorgang, eine Sache gesammelt ist.

Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, Bd. 5, Mannheim 1988 (19. Auflage), S. 635.

Leningrad - bis 1914 und seit 1991 wieder St. Petersburg - wurde im Zweiten Weltkrieg 900 Tage lang, vom September 1941 bis zum Januar 1944, von deutschen Truppen belagert. Bis zum Januar 1943 war die Stadt von allen Landverbindungen zum sowjetischen Hinterland abgeschnitten. Auch wenn die kriegsentscheidenden Schlachten vor Moskau, im Kaukasus und um Stalingrad geschlagen wurden, kosteten die Kämpfe um Leningrad und an der an das Leningrader Gebiet anschließenden Wolchowfront auf beiden Seiten das Leben Hunderttausender Soldaten.

Im September 1941 befanden sich ca. 2,4 Millionen Zivilisten in Leningrad. Im Laufe der Belagerung starben 18000 Einwohner durch Bomben oder Artilleriefeuer der Belagerer, mindestens 800000 Einwohner der Stadt starben durch Hunger oder Hungerfolgen. Die größte Zahl verhungerte im Winter und Frühjahr 1941/1942, da der Nachschub, der ausschließlich über den Ladogasee zugeführt werden konnte, völlig unzureichend war. Die auf Lebensmittelkarten zustehenden Rationen waren so gering, dass es eher verwundert, warum nicht wesentlich mehr Einwohner der Stadt an Hunger starben.

Der hunderttausendfache Tod der Leningrader Zivilbevölkerung war nicht tragische Folge einer schicksalhaften Kriegskonstellation. Erklärtes Ziel des deutschen Angriffs und der folgenden Belagerung Leningrads war die vollständige Zerstörung der Stadt und die Vernichtung der Mehrzahl seiner Einwohner als "überflüssige Esser". Diese Zielsetzung fügte sich in eine Gesamtplanung, die die millionenfache Vernichtung der Bevölkerung Osteuropas vorsah, um "Lebensraum" für deutsche Siedler zu schaffen. Das Massensterben in Leningrad war nicht Teil einer Tragödie, sondern - partiell realisierter - Teil des geplanten Völkermords an der slawischen Bevölkerung Osteuropas.

Für die russische Seite war es vor allem unter psychologischen Gesichtspunkten von großer Bedeutung, dass Leningrad - für die einen alte Hauptstadt und Zentrum der Kultur, für die anderen Stadt der Oktoberrevolution - nicht kapitulierte. Apathie und Terror mögen für die Aufrechterhaltung des Widerstands in der belagerten Stadt große Bedeutung besessen haben. Wesentlicher war jedoch das Selbstbewusstsein, nicht ausschließlich das physische Überleben zu ermöglichen, sondern damit zugleich diese Stadt als Inbegriff der modernen "westlichen" russischen Zivilisation vor barbarischer Vernichtung zu retten.

Ein umfassendes Gesamtbild der Blockade und des Massensterbens von 800 000 Menschen zu vergegenwärtigen, ist im Rahmen einer Ausstellung kaum möglich. In der Präsentation unterschiedlicher Materialgruppen, der "Dossiers" deutscher und russischer Herkunft ermöglicht die Ausstellung jedoch aus wechselndem Blickwinkel jeweils neue Annäherungen an das Thema.
 

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