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Museum . Sonderausstellung . Moskau im Krieg 1941-1945

Moskau im Krieg 1941-1945
Ausstellung vom 22. November 2001 - 17. Februar 2002

Moskau-Berlin: Straßenbilder

   

In der deutschen Geschichtserinnerung wird Moskau im Krieg vor allem mit dem Vorstoß der Heeresgruppe Mitte im Oktober/November 1941 verbunden, mit der Annäherung bis auf dreißig Kilometer an die Stadt, von der die ersten Abteilungen schon die Fabrikschornsteine und Kirchtürme erkennen konnten, bis sie vom sowjetischen Gegenangriff in einer blutigen Winterschlacht um mehr als hundert Kilometer zurückgeworfen wurden. Die Erfahrungen und Leiden dieses Winterkrieges sind in unserer Erinnerung präsent, viel weniger präsent sind die Ziele des Angriffs, der in dieser Schlacht gipfelte, und noch weniger wissen wir von denen, auf die der Angriff gerichtet war.

Moskau, die Hauptstadt der Sowjetunion, das Zentrum der politischen Macht und der industriellen Planung, der Wissenschaft und Kultur, ein sowjetisches Industriezentrum und zugleich der Wohnort und Lebensmittelpunkt von mehr als vier Millionen Menschen, wurde für einige Monate eine Stadt im Frontbereich. Ein großer Teil der Bevölkerung wie auch der Regierung und Verwaltung wurden evakuiert, die Stadt wurde zur Verteidigung ausgebaut und war Luftangriffen ausgesetzt. Normalität kehrte auch nach der Abwehr des deutschen Angriffs nicht zurück.

Wie veränderte sich die Hauptstadt der Sowjetunion in den Jahren eines Krieges, der auf sowjetischer Seite mehr als 25 Millionen Opfer forderte, darunter mehr als 350 000 Einwohner des Moskauer Gebiets, die als Soldaten eingezogen worden waren?

In insgesamt sechs Kapiteln will "Moskau im Krieg" die unterschiedlichen Aspekte der Auswirkungen dieses Krieges auf die Stadt sichtbar machen. Die "politische" wie die "menschliche" Perspektive machen dabei den Blick frei auf Moskau als politische Drehscheibe des gesamtes Landes einerseits, auf den Lebens- und Wohnraum für mehr als vier Millionen Menschen, die in der Stadt zu Beginn des Krieges lebten andererseits. In Fotos und Dokumenten, in Plakaten, Flugblättern, Karikaturen, in Kleidung, Ausrüstung wie auch Gegenständen des Alltags bis zur Wohnzimmerecke soll das Leben in der Stadt deutlich werden.

Das einleitende Kapitel zeigt Schlaglichter der letzten Friedenstage wie der ersten Kriegstage, Ausschnitte aus dem Alltag der Moskauer im Juni 1941: Fotografien von Abiturfeiern Ende Mai 1941; Impressionen von Moskauer Straßen an einem Sommertag im Juni; die Regierungserklärung Molotows am 22. Juni, am Tag des Überfalls; die Reaktion der Bevölkerung, die Freiwilligenmeldungen in den ersten Tagen des Krieges.

Welchen Herausforderungen sich Führung wie Bevölkerung gegenüber sahen und welche konkreten Maßnahmen im Krisenjahr 1941/Anfang 1942 ergriffen wurden, ist Gegenstand eines zentralen Abschnitts. Dazu gehört die militärische Mobilisierung, die Einberufungen und Verteidigungsvorbereitungen, die Evakuierung großer Teile der Moskauer Bevölkerung wie auch ganzer Betriebe in Richtung Osten, die Luftverteidigung, die Organisierung und die psychologische Bedeutung des "Volksaufgebots" und schließlich die Situation der Frontstadt in der "Schlacht um Moskau" im Winter 1941/42.

Es war psychologisch und propagandistisch bedeutsam, dass Moskau auch unter den Bedingungen der Kriegszeit weiterhin in seiner herausragenden Funktion als politisches Zentrum der Sowjetmacht erkennbar blieb. Dazu gehörte die Präsenz politischer, militärischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger, insbesondere in der bedrohlichen Situation der zweiten Jahreshälfte 1941. Auch die Zurschaustellung des ehemals scheinbar unbesiegbaren Gegners fand selbstverständlich in Moskau statt, sei es in der großen Ausstellung von militärischem Beutegut im Gorkipark oder in der endlos scheinenden Kolonne von 70.000 deutschen kriegsgefangenen Offizieren und Soldaten, die 1944 demonstrativ durch die Hauptstadt geführt wurden. Zum politischen Spektrum gehörten schließlich auch die Bündnispartner: westliche Politiker auf Moskau-Visite, die Vertretung der Alliierten in eigens eingerichteten Militärmissionen in Moskau.

Die andere Seite war die Organisierung von Leben unter den Bedingungen der verschiedenen Kriegsphasen: Arbeiten für den Krieg in der Produktion, die Anstrengungen der Wissenschaft, die Rolle der Stadt als medizinisches Zentrum für den Krieg, die Rolle von Kultur und Bildung; die Schwierigkeiten des Alltagslebens, das nur die knappste Befriedigung der existentiellen Bedürfnisse erlaubte. Der triumphale Sieg und seine propagandistische Inszenierung durch die Staatsführung stehen schließlich am Ende der Ausstellung. Die notwendige Ergänzung zu diesen Feiern wird der Besucher in den Moskauer Totengedenkbüchern der Dauerausstellung finden.

Die Ausstellung wurde zwar vom deutsch-russischen Museum Berlin-Karlshorst geplant und vorbereitet. Zugleich ist es die Ausstellung des Staatlichen Historischen Museums in Moskau, das den überwiegenden Teil der Exponate zur Verfügung stellt und Partner in allen Phasen der Vorbereitung war. Diese Zusammenarbeit hat nicht erst mit der Planung der Ausstellung begonnen, sie reicht in die Mitte der neunziger Jahre zurück und findet jetzt auch keineswegs ihren Abschluss. Zweifellos werden dann auch weniger düstere Kapitel deutsch-sowjetischer bzw. russischer Geschichte Gegenstand der Kooperation sein, aber an diesen dunklen Kapiteln kommen wir nun einmal nicht vorbei.


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   Arbeiter der Straßenreinigung an der Metrostation "Nowoslobodskaja"

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