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Das etwa 70 Kilometer vor Berlin gelegene Oderbruch wurde im Frühjahr 1945 zum größten Schlachtfeld des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. Ab Mitte Januar waren die Truppen der 1. Belorussischen und der 1. Ukrainischen Front von der Weichsel überraschend schnell an die Oder vorgestoßen und errichteten zahlreiche Brückenköpfe. Allein während der Kämpfe um die zur Festung erklärten Stadt Küstrin, Anfang Februar bis Ende März, fielen etwa 5000 deutsche und 6000 bis 12000 sowjetische Soldaten. Für den Beginn der Berliner Operation setzte Stalin als spätestes Angriffsdatum den 16. April fest. Der direkte Weg nach Berlin führte von Küstrin über Seelow und Müncheberg. Das weit verzweigte Grabensystem der tiefgestaffelten deutschen Verteidigungslinien und der morastige Boden verhinderten einen schnellen Durchbruch, der den sowjetischen Truppen erst am 19. April gelang.
Die Anzahl der Toten kann nur geschätzt werden: 33000 sowjetische und 12000 bis 80000 deutsche Soldaten.
Zur Ausstellung
Die durch den Krieg verursachten Zerstörungen dieser wenig zersiedelten Landschaft im Oderbruch bleiben auch für den Betrachter nach sechzig Jahren sichtbar. Der Fotograf Karl Böttcher zeigt eine verwundete Landschaft. Er folgt mit seiner Kamera den ehemaligen Kampflinien im Dreieck der Orte Küstrin, Lebus und Seelow und gibt den Blick auf drei Betrachtungsebenen frei: Zum einen wird man in die Perspektive der damaligen Soldaten versetzt. Die Panoramen simulieren den Blick deutscher Soldaten vom Westufer der Oder auf die polnische Seite und umgekehrt den Blick von Rotarmisten vom Ostufer auf die deutsche Seite. Auf einer zweiten Ebene fokussiert der Blick auf die rudimentären Resten zerstörter Dörfer, auf Ausgangspunkte von Kampfhandlungen, Verteidigungslinien und Schützengräben. Schließlich werden Fundsachen gezeigt, die der Boden auch nach sechs Jahrzehnten bewahrt, darunter persönliche Gegenstände von Soldaten wie auch Ausrüstungsgegenstände. Der den Schützengräben entnommene Boden, den Böttcher gleichsam als Konservator der Geschichte begreift, ist Bestandteil der Ausstellung und ergänzt die fotografische Arbeit.
Karl Böttcher
- 1949 in Herten geboren
- seit 1963 Arbeit im Bergwerk Ewald und auf Montage
- seit 1974 Feinmechaniker an der TU Berlin
- seit 1989 Ausbildung in Künstlerischer Fotografie, u.a. bei Jörn Vanhöfen und Andreas Rost
- zahlreiche Gruppenausstellungen
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der im Museum erhältlich ist (48 Seiten, Duplex, 8 euro;).
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