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Museum . Sonderausstellung . "Stalingrad erinnern"

Stalingrad erinnern
Stalingrad im deutschen und im russischen Gedächtnis

Sonderausstellung des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst
vom 15. November 2003 bis 29. Februar 2004 - verlängert bis 21. März 2004
Eröffnung am Freitag, den 14. November 2003 um 18 Uhr
Pressetermin: Freitag, 14. November 2003, 11 Uhr

Flyer: Stalingrad erinnern

   

"Heldenepos", "Opfergang", "Tragödie" "Lehrstück" sind nur einige Deutungsmuster in der sowjetischen, der deutschen (West) und der deutschen (Ost) Erinnerung an das Ereignis von Stalingrad. Was war die Chiffre "Stalingrad" in einzelnen Geschichtsperioden im Selbstverständnis der Deutschen und der Russen?

Sechzig Jahre nach der Schlacht von Stalingrad wendet sich das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst dem Thema zu. Es wird nicht zum wiederholten Male den Schlachtverlauf repetieren, die strategischen Entscheidungen und das hunderttausendfache Sterben auf beiden Seiten nachzeichnen und damit den vielen hundert Darstellungen und Deutungen eine weitere hinzufügen.

Gegenstand der Präsentation ist vielmehr, die zahlreichen Deutungen dieses Ereignisses im Verlauf der sechzig Jahre seit der Schlacht nachzuzeichnen. Dabei blicken wir auf Geschichtsschreibung, Literatur, Film, Architektur und bildende Kunst, die versuchen, das Ereignis zu deuten und ihm Bedeutung zu verleihen.

Schon während der Schlacht begann auf beiden Seiten die Aufladung der Kämpfe mit historischer Bedeutung, die auf deutscher Seite bald abgebrochen wurde. Für die Sowjetunion wurde die Schlacht zum historischen Zeichen des unabwendbaren Sieges, an das nicht nur während des Krieges, sondern auch immer wieder nach dem Krieg erinnert wurde. Seinen Höhepunkt fand diese öffentliche Erinnerung im monumentalen Denkmalsensemble auf dem Mamajew-Hügel, dessen Symbole in der kollektiven Erinnerung der Sowjetunion einen beherrschenden Platz einnehmen.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde in den fünfziger Jahren in Büchern, Zeitschriften und Filmen an das "Opfer" der 6. Armee erinnert: Opfer der sowjetischen Feinde wie des "Verrats" der Naziführung, das die deutsche Bevölkerung fast ausnahmslos vom eigenen Anteil an dieser Herrschaft entlastete. Opfer, wenn auch mit anderem Akzent, waren die Deutschen auch bald in der Erinnerung der DDR. Der Untergang der sechsten Armee galt als Lehrstück, das auch in der Auseinandersetzung um die Remilitarisierung instrumentalisiert wurde.

Verblasste in den folgenden Jahrzehnten Stalingrad im deutschen Geschichtsbild, so fand es nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation neue Aufmerksamkeit: als immer häufiger erinnertes gemeinsames Symbol der Versöhnung der ehemaligen Feinde, aber auch als immer wieder verwendbares Medienereignis, das mit wachsender Entfernung zum historischen Ereignis zur beliebig auswechselbaren Chiffre wurde.

Die kritische Reflexion der vielen ideologisch geprägten Deutungsmuster der Schlacht von Stalingrad kann im Ergebnis auch eine neue Annäherung an das Ereignis selbst möglich machen.

 

 
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