Postscriptum - "Ostarbeiter" im Deutschen Reich

Eine Ausstellung der Gesellschaft Memorial, Moskau

 

Laufzeit: 21. August bis 4. Oktober 2020

Die Ausstellung „Postscriptum – ‚Ostarbeiter´ im Deutschen Reich“ der Gesellschaft Memorial erinnert an die sowjetischen Frauen, Männer und Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit für das NS-Regime leisten mussten. Sie wurde im Rahmen eines Bildungsprojekts mit Moskauer Schüler*innen und Studierenden erarbeitet und von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert.

Die in der Ausstellung präsentierten persönlichen Dokumente und Fotografien ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind erstmalig in Deutschland zu sehen.

26 Millionen Menschen aus ganz Europa wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, darunter etwa 9 Millionen aus der Sowjetunion. Nach Schätzungen leisteten 6,4 Millionen in den besetzten sowjetischen Gebieten Zwangsarbeit, weitere 2,8 Millionen wurden in das Deutsche Reich verschleppt. Diese so genannten „Ostarbeiter“ bildeten unter den 13 Millionen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen im Deutschen Reich die größte Gruppe. Gekennzeichnet mit dem Abzeichen „OST“, waren sie extrem schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren diese Menschen weder in Deutschland noch in der Sowjetunion eine Anerkennung ihres erlittenen Unrechts. Erst im Jahr 2000 entstand auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Entschädigung von Zwangsarbeit. Bis 2007 erhielten knapp 1,7 Millionen Überlebende eine einmalige Zahlung zwischen 500 und 7.700 Euro. Die Hälfte der Empfänger und Empfängerinnen stammte aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Entschädigung hatte überwiegend symbolischen Charakter. Für die Betroffenen stellte sie eine wichtige, wenn auch späte Würdigung ihrer Leiden dar.

Die Gesellschaft Memorial ist eine 1987 gegründete internationale Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Moskau. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die historische Aufarbeitung politischer Gewaltherrschaft, die Einhaltung der Menschenrechte und die soziale Fürsorge für die Überlebenden des sowjetischen Arbeitslagersystems (GULag).

Gastgeber der Ausstellung sind das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide.

"Postscriptum" wird in Form einer Open-Air-Ausstellung im Außengelände des Museums präsentiert und kann somit auch außerhalb der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Die feierliche Eröffnung der Sonderausstellung findet am 20. August 2020 um 18 Uhr im Museumsgarten statt, weitere Informationen.