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Historische Fotografien

Vor Ort macht die Medienstation FOTOGRAFIE(N) es möglich, in der Ausstellung gezeigte Fotografien quellenkritisch zu betrachten. Ohne Kontextwissen können wir Fotografien immer nur unzureichend einordnen. Die meisten der in der Ausstellung gezeigten Bilder sind aus der Perspektive der Täter•innen fotografiert. Die Gefangenen wurden zu verschiedenen Zwecken fotografiert, z.B. zur Erfassung, Dokumentation oder auch aus privaten Gründen. Insbesondere die von den Propagandakompanien aufgenommenen Auftragsarbeiten für die NS-Propaganda und die privaten Aufnahmen reproduzieren vielfach eine ideologisch vorgeprägte Sicht auf die sowjetischen Gefangenen. Gerade die Bildüberlieferung von Opfern von NS-Massenverbrechen muss kritisch betrachtet werden. In der Regel kennen wir die Namen der Dargestellten nicht. Zugleich sind die Bilder in vielen Fällen letzte Lebenszeugnisse, da ein hoher Prozentsatz der Fotografierten nicht überlebte. Besucher•innen mithilfe von kontextualisierenden Informationen einen quellenkritischen Zugang zu Fotografien zu ermöglichen, hilft dabei, eine erneute Herabwürdigung der Dargestellten zu vermeiden. Die Medienstation nähert sich über Fragen dem Thema.

 

Hier sehen Sie eine Auswahl historischer Fotos, die in der Ausstellung gezeigt werden.

Sowjetische Kriegsgefangene an einer Sammelstelle der Wehrmacht, vermutlich Belarus, Anfang Juli 1941

Foto PK: unbekannt, dpa Picture Alliance

Kriegsgefangene bauen einen Knüppeldamm, Jerschitschi bei Roslawl, 19. September 1941

Foto PK: Mehls, Bundesarchiv, Koblenz

 

Die Deutschen lassen sowjetische Kriegsgefangene für sich arbeiten. Das Kriegsvölkerrecht erlaubt dies zwar, solange der Arbeitseinsatz nicht militärischen Zwecken dient. Die Behandlung und die Arbeitsbedingungen der gefangenen Rotarmist•innen sind jedoch so schlecht, dass viele von ihnen sterben.

Gefangennahme einer Gruppe von Rotarmist•innen, besetzte sowjetische Gebiete, o. D.

Foto: unbekannt, Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain

Wehrmachtsangehörige zwingen sowjetische Kriegsgefangene, ihr eigenes Grab zu schaufeln, besetzte sowjetische Gebiete, vermutlich 1941

Foto: unbekannt, dpa Picture Alliance

 

Mit dem „Kommissarbefehl“ ordnet die Wehrmacht vor dem Überfall auf die Sowjetunion an, dass politische Funktionär•innen der Roten Armee sofort nach ihrer Gefangennahme erschossen werden. Die Wehrmacht erschießt etwa 10.000 Gefangene auf der Grundlage dieses Befehls.

Durchgangslager für sowjetische Kriegsgefangene, Orscha, August 1941

Foto privat: Albert Dieckmann, MBK, Berlin

 

Die Wehrmacht trifft kaum Vorbereitungen. In den völlig überfüllten Lagern fehlt meist jegliche Infrastruktur. Die Gefangenen werden nur unzureichend versorgt.

Eine Frau verteilt Brot an Kriegsgefangene, vermutlich besetzte sowjetische Gebiete, o. D.

Foto: unbekannt, SNG, Celle / Zentrales Museum der Streitkräfte, Moskau

 

Die Nahrungsmittel in den besetzten Gebieten sollen in erster Linie die Wehrmacht versorgen. Im Herbst 1941 setzt unter den hungernden Gefangenen in den Lagern ein Massensterben ein. Bis zum Frühjahr 1942 gehen mehr als zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene elend zugrunde, etwa zwei Drittel der bis dahin in Gefangenschaft Geratenen.

Gefangenenkolonne, bei Gschatsk im Gebiet Smolensk, November 1941

Foto privat: Albert Dieckmann, MBK, Berlin

 

Fußmärsche in die rückwärtigen Lager erstrecken sich oft über hunderte von Kilometern. Wer zurückfällt, wird erschossen.

Sowjetische Kriegsgefangene nach ihrer Befreiung, Staraja Russa, 11. Januar 1942

Foto: Timofei Melnik, MBK, Berlin

 

Im Zuge ihrer Offensiven, vor allem ab 1943, gelingt es der Roten Armee, eine große Zahl ihrer Militärangehörigen zu befreien. Die Befreiten werden medizinisch versorgt, wie diese an Fleckfieber erkrankten Männer. Die sowjetischen Behörden prüfen, ob die Gefangenen mit den Deutschen zusammengearbeitet haben. In der Regel kehren die Rotarmist•innen in den Militärdienst zurück.